Bewegungsmangel nimmt im Kindes- und Jugendalter stetig zu. Die Ursachen liegen neben diversen soziokulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen in einer veränderten Freizeitgestaltung. Der natürliche Bewegungsdrang von Kindern wird durch die Rationalisierung der natürlichen Bewegungsräume und zudem durch immer inaktivere Beschäftigungen wie die Nutzung audiovisueller Medien, eingeschränkt. Bewegungs- und Körpererfahrungen werden somit auf ein Minimum reduziert. Die Folgen sind motorische Defizite. Durch die veränderte Lebenswelt kommen viele Aktivitäten heute nur noch zu Stande, wenn Kinder und Jugendliche in ihre Bewegungsräume „transportiert“ werden. Der immer stärker auftretende Sitzzwang und mangelnde Bewegungsreize im Alltag führen unter anderem zu einer Abnahme von eigenständigem und kreativem motorischen Bewegungsverhalten und diese können letztendlich zu einer Stagnation der motorischen Entwicklung beitragen.
Bewegung hat für den ganzheitlichen Entwicklungsprozess des Kin
8 x 60
Min.
80,00 €
10,00 €
pro Einheit
6 bis 7
Jahre
Auf Anfrage
Inhalte
Grundformen der Bewegung (z. B. das Gehen, Laufen, Hüpfen, Springen, Krabbeln, Kriechen, Klettern, Steigen, Rutschen, Rollen, Ziehen, Schieben, Werfen, Schaukeln und Schwingen)
Schulung koordinative Fähigkeiten (Gleichgewichtsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, Steuerungsfähigkeit, räumliche Orientierungsfähigkeit)
o sich bewegen
o Geräte bewegen
o sich an Geräten bewegen
o sich mithilfe von Geräten bewegen
Spielthemen
o Spielformen mit und ohne Regeln
o Spielritual
Entspannungsphasen
Möglichkeit der Einbindung der Bewegungselemente und Spielformen in weiterführende, dauerhafte Sportprogramme, um Risikofaktoren abzuschwächen.
Hausaufgaben
Vermittlung von Handlungswissen
o Bewegungsanweisung
o Bewegungskorrektur
o Anregungen und Herausforderungen zu Bewegung, Spiel und Sport
o Offene, freie Bewegungsaufgaben
o Von der Grob- zur Fein- und Feinstkoordination
o Aktivität ohne Gerät/Material hin zur Geräte-Materialkombination
o Von der Körpererfahrung über die Sacherfahrung hin zur Sozialerfahrung
o Hausaufgaben
Vermittlung von Effektwissen
o Lehrgespräch
o Feedbackgespräch
o Hausaufgaben
Bewegungsaufgabe
o Aufforderung zum selbstständigen Lösen von Bewegungsproblemen
o Förderung der Kreativität/ Bewegungsfantasie
Bewegungsanweisung
o Die Aufgabe wird eingeschränkt und gewisse Vorschriften werden gemacht
o genaue Ausführung noch offen (Ball kann von unten oder oben geworfen werden)
o Zeitaufwand geringer, Zielübung wird schneller erreicht (Lernökonomie)
Bewegungskorrektur
o Hauptfehler vor Nebenfehlern
o Bei kleinen Kindern nicht zu oft korrigierend eingreifen, weil sonst Unlustgefühle entstehen.
o Individuelle Korrektur direkt nach der Übung vorzuziehen.
Anregungen und Herausforderungen zu Bewegung, Spiel und Sport
o fantasieanregendes, reichhaltiges Angebot an Geräten und Materialien (Eigenaktivität und Kreativität der Kinder ansprechen)
o bewegungsfreundliche Raumgestaltung (Voraussetzungen für Bewegung)
Offene, freie Bewegungsaufgaben
o Problemlösevermögen fördern
Einfache Bewegungsfolgen hinzu Folgekopplungen
Von der Grob- zur Fein- und Feinstkoordination
Aktivität ohne Gerät/Material hin zur Geräte-Materialkombination
Von der Körpererfahrung über die Sacherfahrung hin zur Sozialerfahrung
Durch koordinative und sensomotorische Spiel- und Übungsformen werden motorischen Fähigkeiten (besonders die Koordination), eine aufrechte und stabile Haltung (besonders Kraft und Gleichgewicht) sowie die Körperwahrnehmung geschult. Damit geht auch der Ausgleich von kindlichem Bewegungsmangel und muskulärerer Dysbalancen einher. Das gruppenorientierte Sozialverhalten wird geübt und weiterentwickelt.
Die spielerischen Inhalte des Programms werden dabei durch Informationssequenzen, Verhaltensregeln, Reflexion am Stundenende (Selbst- und Fremdwahrnehmung, Eindrücke, Probleme) und Einbeziehung der Eltern ergänzt. Besonders durch diesen Punkt strebt das Bewegungsprogramm an, dass die gesamte Familie eine langfristige Veränderung des Lebensstils erreicht.
Wichtig für den Erfolg des Programms ist eine bestmögliche Einbindung der Eltern. Bevor die erste offizielle Kursstunde der Kinder beginnt, werden daher in der Kursstunde »0« die Eltern hinsichtlich des Programms geschult bzw. informiert.
Stärkung von physischen Gesundheitsressourcen
Kinder werden meist nicht – wie Erwachsene – aus gesundheitlichen Gründen zum Sporttreiben angeregt, sondern durch Spaß und Freude an der Bewegung. So können sie nachhaltig an sportliche Aktivitäten gebunden und an einen gesünderen Lebensstil herangeführt werden. Das Bewegungsprogramm für Kinder ist daher vielseitig, motivierend und abwechslungsreich gestaltet und stellt die natürliche, kindliche Freude an Bewegung in den Vordergrund.
Aus diesen Gründen ist es ein Programm mit fast ausschließlich spielerischem Charakter, das versucht, durch abwechslungsreiche Bewegungen und vielseitige Belastungsformen, die Kinder, bewusst, aber auch unbewusst, in ihren physischen Ressourcen zu stärken und Defizite abzubauen. Primär will das Gesundheitsprogramm dabei die Haltung verbessern, wobei Kraft, Beweglichkeit und Gleichgewicht in den Mittelpunkt gestellt werden. Doch auch Ausdauer und komplexe Koordination sowie Entspannungsfähigkeit werden spielerisch trainiert. Vielfältige Spielformen und die farbenfrohen Materialien schaffen zudem optimale Voraussetzungen (Spaß und Motivation), um die physischen Gesundheitsressourcen von Kindern zu stärken.
Verminderung von Risikofaktoren
Durch eine Aktivierung der Kinder innerhalb der Kursstunden und durch die zusätzlichen Bewegungshausaufgaben ergibt sich eine Verminderung des Risikofaktors Bewegungsmangel. Das Erlernen komplexer Spielformen und die bessere Körperwahrnehmung durch sensomotorische Übungen bilden jedoch auch langfristig eine Grundlage für das Erlernen neuer und schwierigerer Bewegungsformen und den sicheren Umgang mit dem eigenen Körper in Sport und Alltag.
Die Einbindung der Eltern, die spielerisch-motivierende Heranführung und das Einüben ökonomischer Bewegungsabläufe sollen darüber hinaus nachhaltig zu lebenslanger körperlicher Aktivität führen, sodass eine dauerhafte Reduktion des Risikofaktors erfolgt. Die Vermittlung von Effektwissen und vielfältiger Handlungskompetenzen in kindgerechter Form sowie die Möglichkeit der Einbindung der Bewegungselemente und Spielformen in weiterführende, dauerhafte Sportprogramme sind zudem wichtig, um Risikofaktoren abzuschwächen oder gar nicht erst entstehen zu lassen.
Stärkung psychosozialer Gesundheitsressourcen
Gerade spielerisches Training zu zweit oder in der Gruppe beeinflusst die Stimmung und das Wohlbefinden der Kinder sehr positiv und stärkt ihre sozialen und motivationalen Ressourcen. So spielt neben der motivierenden und verstärkenden Funktion des Übungsleiters auch die Tatsache, dass das Training in der Gruppe und mit spielerischen Elementen (Faktor Spaß) sowie farbenfrohen Kleingeräten, die zur eigenen Mitgestaltung motivieren, absolviert wird, eine wichtige Rolle in der psychischen Stärkung der Kinder. Dadurch lassen sich einerseits die Zugangsbarrieren zu Sport und Bewegung leichter überwinden, andererseits erhöhen die Materialien und kooperativen Spiele die Gruppendynamik und das damit verbundene »Wir-Gefühl«.
In Bewegungsspielen treffen Kinder auf unterschiedlichste Situationen, in denen sie wichtige psychosoziale Erfahrungen sammeln können. Sie lernen, sich durchzusetzen oder nachzugeben, sich gegenseitig zu helfen, Konflikte zu lösen und Rollen zu übernehmen. Über diese vielfältigen Erfahrungen lernt das Kind nicht nur seine Stärken und Schwächen kennen, es entwickelt auch ein gutes Körperbewusstsein für die eigenen Fähigkeiten und kann das Verhalten anderer besser einschätzen. So tragen gerade positive, kooperative Bewegungserfahrungen dazu bei, ein realistisches, klares Selbstbild aufzubauen und – unabhängig vom objektiven Leistungsniveau – das Selbstvertrauen sowie das Selbstbewusstsein zu steigern, was wiederum die psychosozialen Ressourcen stärkt. Im Umkehrschluss ermöglichen die Spielformen dem Übungsleiter, beginnende psychosoziale Probleme von Kindern zu erkennen und frühzeitig intervenierende und präventive Maßnahmen zu ergreifen.
Sensomotorischen Übungen in den Stunden helfen den Kindern, ihren Körper besser kennenzulernen und Signale des eigenen Körpers besser zu deuten. So können hochgezogene Schultern, angespannte Hände oder auch Magenschmerzen oder Denkblockaden durch Angst vor einem Test herrühren. Durch eine bewusste Wahrnehmung der Körpersignale können Kinder psychische Spannungszustände besser einordnen und ihnen im Idealfall durch kurze Bewegungs-, Entspannungs- oder Atemübungen entgegenwirken. Um auch hier ein entsprechendes Effektwissen und Handlungsrepertoire aufzubauen, erhalten die Kinder Informationen bezüglich der positiven Einflüsse von sportlicher Aktivität und alltäglicher Bewegung. Das aktive Erleben dieser Einflüsse innerhalb der Stunden und Hausaufgaben sowie die Hausaufgabenbesprechung verstärken die langfristige Wissensvermittlung nachhaltig. Mit diesem Hintergrundwissen werden die Kinder auch in ihrem Alltag in die Lage versetzt und motiviert, selbstständig und individuell zu trainieren und aktiv zu sein. Solch eine Alltagsintegration wird vor allem dann leicht, wenn die Kinder im Kurs durch das langsame Heranführen an die Bewegung feststellen konnten, dass sie körperlich in der Lage sind, ein aktives und regelmäßiges Training durchzuführen.
Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden
Die Zielgruppe des Kursprogramms weist zwar nicht zwingend physische Beschwerden und Missbefinden auf, was an der kindlichen Wahrnehmung und Verarbeitung von Missbefinden liegen kann, jedoch heben Veröffentlichungen hervor, dass ein Anstieg von Kopf- und Rückenschmerzen sowie psychischen Angst- und Verspannungszuständen auch bei Kindern und Jugendlichen festzustellen ist.
Eine schlechte Haltung durch eine zu schwache Rumpfmuskulatur, unökonomische sensomotorische Steuerungsprozesse sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit können sich daher auch schon in dieser Zielgruppe bemerkbar machen, selbst wenn sie nicht explizit von den Kindern als Beschwerden benannt werden. Frühzeitige Maßnahmen, Schmerzen und Missbefinden bzw. Unwohlsein entgegenzuwirken, erscheinen daher sinnvoll. Bewegungsprogramme können hierzu einen wichtigen Baustein liefern.
Die Förderung problembezogener Bewältigungskompetenzen (wie beispielsweise durch praktisches Tun sowie durch die Vermittlung von Handlungs- und Effektwissen in den Informationssequenzen des Programms) zielt auf eine Minderung von physisch verursachten Beschwerden ab. Beispielsweise können sensomotorische Übungen und eine Kräftigung und Mobilisierung der Haltemuskulatur im Bereich des Rumpfs entscheidend zur Reduktion von Haltungsauffälligkeiten und Rückenschmerzen der Kinder beitragen.
Bei der Unterstützung und Stärkung emotionsbezogener Bewältigungskompetenzen (wie der Stärkung psychischer Ressourcen durch kooperative Spielformen und sensomotorische Wahrnehmungsübungen) sind Inhalte des Bewegungsprogramms besonders auch auf die Regulation der durch stressige bzw. belastende Situationen ausgelösten Emotionen ausgerichtet. Zwar kann eine Stimmungsverbesserung durch gesundheitssportliche Aktivitäten eine Beschwerde, wie etwa Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen, nicht unbedingt lösen, die betroffenen Kinder können sich jedoch nach einer freudigen, sportlichen Betätigung wohler fühlen und ihren Gesundheitszustand deshalb positiver bewerten.
Bindung an gesundheitssportliche Aktivität
Soziale Bindung bedeutet die regelmäßige Teilnahme an (gesundheits- )sportlichen Aktivitäten sowie das langfristige Dabeibleiben. Gesundheitssportliche Aktivität soll zu einem gesicherten Element eines gesunden Verhaltens bzw. Lebensstils der Kinder werden. Bindung an körperlich-sportliche Aktivitäten ist dabei langfristig eine notwendige Voraussetzung für die Stärkung von physischen Ressourcen und damit auch für eine Prävention von Risikofaktoren und die Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden.
Die bis dato vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen zu einer längerfristigen Bindung an regelmäßige sportliche Aktivität zeigen, dass unter anderem das Erleben positiver Emotionen, der Aufbau positiver Sinnzuschreibungen des Sports, realistische (Kompetenz-)Erwartungen, eine Konkretisierung von relevantem, kindgerechten Handlungs- und Effektwissen sowie gute soziale Kontakte und Unterstützung durch das eigene Umfeld wichtige Faktoren für das Dabeibleiben sind.
Für die Zielgruppe spielen für eine langfristige Bindung vor allem der Spaß und die Freude an der Bewegung sowie die Gruppenzugehörigkeit (»Wir- Gefühl«) eine entscheidende Rolle. Diese Faktoren werden durch anspruchsvolle, kooperative Spiel- und Übungsformen berücksichtigt.
Darüber hinaus wird den Kindern im Kurs geholfen, realistische sportliche Ziele zu setzen und somit Barrieren, die durch zu hohe Erwartungen an die eigene Leistungsfähigkeit entstanden sind, abzubauen. Das vorliegende Bewegungsprogramm bereitet die Kinder effektiv auf anschließende gesundheits- oder vereinssportliche Aktivitäten vor.
Verbesserung der Bewegungsverhältnisse
Die Qualität der sozial-strukturellen Ressourcen ist ein notwendiger Faktor für eine lebenslange Bindung an gesundheitssportliche Aktivität und wichtig für eine Verbesserung der individuellen Bewegungsverhältnisse. Die Bewegungsverhältnisse werden durch das Kursprogramm verbessert. Wesentliche Punkte dabei sind:
• das standardisierte Gesundheitsprogramm,
• die adäquate Räumlichkeiten und Geräte/Materialien und
• die professionellen Kursleiter (siehe Anbieterqualifiaktionen „Leitfaden Prävention“) haben an einer Einführung in das Programm teilgenommen
Kinder (6-7 Jahre, unter Einbeziehung der Eltern) ohne behandlungsbedürftige Erkrankungen oder spezielle Risiken, die primärpräventiv fehlende Wahrnehmungs-, Bewegungserfahrungen und Haltungsschwächen ausgleichen möchten. Dazu zählen Bewegungseinsteiger und -wiedereinsteiger, - bewegungsarme Personengruppen.