Kompaktangebot
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GeschwisterTEENS – Präventionskurs zur Förderung der Stressbewältigungskompetenzen für jugendliche Geschwister von Menschen mit Erkrankung oder Behinderung

GeschwisterTEENS ist ein Präventionsangebot zur Förderung der Stressbewältigungskompetenzen für jugendliche Geschwister von Menschen mit chronischer Erkrankung und/oder Behinderung. Die Jugendlichen werden befähigt Alltagsherausforderungen und Stresssituationen strukturiert und ressourcenorientiert zu bewältigen. Dies wird anhand verschiedener erlebnispädagogischer, kreativer und kommunikativer Methoden eingeübt. Dabei wird insbesondere auf die Lebenssituation von Geschwistern eines Menschen mit Behinderung/Erkrankung sowie auf jugendspezifische Themen eingegangen. An vier aufeinander folgenden Tagen werden den Jugendlichen Gruppen- und Kooperationsaufgaben gestellt, bei denen sie ihre persönlichen Stärken und Ressourcen kennenlernen und erweitern. Weiterhin beschäftigen sie sich mit ihrer Selbstwahrnehmung sowie ihrem sozialen Umfeld und bauen ihre Entspannungs- sowie Stressbewältigungskompetenzen aus.
8 x 135
Min.
550,00 €
68,75 €
pro Einheit
13 bis 17
Jahre
Auf Anfrage
Bei GeschwisterTEENS werden den Jugendlichen Fähigkeiten vermittelt, die ihnen als Stressbewältigungsstrategien dienen. So zum Beispiel Entspannungskompetenz, Problemanalysekompetenz und die Aktivierung sozialer Unterstützung. Insbesondere wird an den kognitiven Bewertungsprozessen angesetzt (auf Grundlage des Stresskonzepts nach Lazarus). Hauptinhalte von GeschwisterTEENS sind: Ressourcenmanagement: 1. Selbstkonzept Die Ausbildung eines gesunden Selbstkonzepts als Entwicklungsaufgabe im Jugendalter wird durch das Angebot GeschwisterTEENS unterstützt. Das Selbstkonzept ist ein wesentlicher Teil der eigenen Identität. Es ist „das eigene Verständnis für die Identität, die Selbsterkenntnis und der Sinn für das, was man ist bzw. sein will“ (Oerter & Dreher, 2008, S. 303). Zum Selbstkonzept zählt somit die eigene Selbstwahrnehmung, das „Wissen um das, was die eigene Person ausmacht“ (Lohaus & Vierhauser, 2019, S. 204) und daraus resultiert als affektive Komponente der Selbstwert bzw. das Selbstwertgefühl („Bewertungen der eigenen Person oder von Aspekten, die die eigene Person ausmachen“ (Lohaus & Vierhauser, 2019, S. 204)). Ein Fokus liegt bei GeschwisterTEENS deshalb auf der Wahrnehmung der eigenen Ressourcen sowie auf der Auseinandersetzung mit eigenen Werten und Zukunftsvorstellungen. Dadurch wird eine Stärkung des Selbstwertgefühls erreicht, das wiederum zu einem positiveren Selbstkonzept beiträgt. Denn die Beschäftigung mit dem eigenen Selbstkonzept im Jugendalter wird als wesentlicher Schritt hin zu einem „produktiven, glücklichen Leben als Erwachsener“ betrachtet (Berk, 2005, S. 205). Durch diesen Schwerpunkt kann es den Jugendlichen gelingen, gestärkt und ressourcenorientiert ihren Alltag und ihre Zukunft wahrzunehmen, damit stellt dies eine individuelle Bewältigungsstrategie dar. Somit wirkt sich dieses erlernte Wissen und die vermittelten Strategien auf das kognitive Stressmanagement der Jugendlichen aus. 2. Soziale Unterstützung Im Jugendalter nimmt die Peergruppe einen immer größeren Stellenwert ein und gleichzeitig spielt die Ablösung vom Elternhaus eine bedeutende Rolle (Oerter & Dreher, 2008). Dies kann für Geschwister von Kindern mit chronischer Erkrankung und/oder Behinderung eine Schwierigkeit darstellen, da sie sich für ihre Geschwister (mit-)verantwortlich fühlen (Schmid, Spießl & Cording, 2005). Ein Austausch mit Gleichbetroffenen über Herausforderungen der eigenen Lebenssituation in einem geschützten Rahmen, hat sich als besondere Ressource für Geschwister bewiesen (Nolbris, Abrahamsson, Hellström, Olofsson & Enskär, 2010; Tudor & Lerner, 2015). Weiterhin werden Aspekte der sozialen Unterstützung (um Hilfe bitten, Verantwortung abgeben und eigene Grenzen wahrnehmen) thematisiert und über formelle respektive professionelle Unterstützungssysteme gesprochen. So sollen mögliche Ängste und Barrieren abgebaut und der Zugang hierzu erleichtert werden. Weiterhin wird soziale Unterstützung als Ressource anhand verschiedener erlebnispädagogischer Aufgaben eingeübt und in Bezug zu den Alltagserfahrungen der Jugendlichen gesetzt. Die Aktivierung der sozialen Unterstützung lässt sich dem instrumentellen Stressmanagement zuordnen. 3. Entspannungskompetenz Bei GeschwisterTEENS wird die Methode „Achtsamkeitsmeditation“ als Entspannungsverfahren und Bewältigungsstrategie vermittelt sowie eingeübt. Achtsamkeitstraining hat sich als wirkungsvolle und von Jugendlichen gut akzeptierte Methode er-wiesen (Zoogman, Goldberg, Hyot & Miller, 2015). Studien zeigen, dass eine regelmäßige Durchführung von Achtsamkeitsübungen positive Auswirkungen auf verschiedene Bereiche der körperlichen und psychischen Gesundheit hat (Esch, 2014). Die Jugendlichen üben ihre Aufmerksamkeit zu lenken, ihren Körper und ihre Emotionen wahrzunehmen und zu regulieren. Um ihre Motivation für das Erlernen und regelmäßige Anwenden der Übungen zu erhöhen, sind in die Achtsamkeitsmeditationen edukative Elemente eingebettet, die erklären, welche Auswirkungen das Üben haben kann. Dies befördert zudem eine positive Erfolgserwartung. Die Durchführung von Achtsamkeitsmeditationen kann dem palliativ-regenerativen Stressmanagement zugeordnet werden, bei dem auf Entspannung im physischen und psychischen Bereich abgezielt wird. Stressmanagement: 1. Problemanalyse- und Problemlösekompetenz Bei GeschwisterTEENS ist die sogenannte Stressanalyse als Problemanalyseprozess und -strategie die zentrale Methode. Hiermit wird ein strukturierter und ressourcenorientierter Ansatz zur Stressbewältigung an die Jugendlichen herangetragen. Der Problemanalyseprozess symbolisiert den Weg der Analyse einer Herausforderung oder Stresssituation über das Suchen von Bewältigungsstrategien bis hin zu deren Evaluation. Der Problemanalyseprozess (= Stressanalyse) besteht aus vier Feldern und wird durch zwei zusätzliche Kreise zur Analyse der personalen und sozialen Ressourcen ergänzt. Feld eins (STRESS) bezieht sich auf die individuelle Stresssituation der Jugendlichen, die auf diesem Feld analysiert und beschrieben wird. Hier werden die Gefühle, Stressreaktionen sowie Stressgedanken in Bezug auf die Situation festgehalten und reflektiert. Auf Feld zwei (SCAN) beschäftigen sich die Teilnehmenden mit der Sammlung von Lösungsmöglichkeiten passend zur Stresssituation. Zuerst wird ein Ziel definiert, das erreicht werden soll, damit das Problem bzw. die Herausforderung als bewältigt angesehen wird. Zur Sammlung der Lösungsmöglichkeiten werden die personalen Ressourcen (ICH) sowie Aspekte der sozialen Unterstützung (WIR) berücksichtigt. Mit Hilfe des ICH-Kreises machen sich die Jugendlichen ihre Stärken bewusst. Der WIR-Kreis steht stellvertretend für die Analyse informeller oder formeller sozialer Unterstützungsmöglichkeiten. Auf dem nächsten Feld (LOGIN) wird sich für eine der zuvor erarbeiteten Lösungsmöglichkeiten entschieden. Auswahlkriterium ist vor allem die für die individuelle Stresssituation als von dem:r Jugendlichen subjektiv am hilfreichsten erachtete Lösung. Dies trägt wiederum zur Stärkung der Selbstwirksamkeit und des Selbstwertgefühls der Teilnehmenden bei. Bevor zur Handlungsdurchführung übergegangen wird, überlegen sich die Jugendlichen noch die nächsten Schritte für die Lösungsumsetzung und nehmen somit eine Handlungsplanung vor. Nach der Durchführung erfolgen eine Evaluation und Reflexion (CHECK). Hier wird analysiert, ob die Lösungsausführung erfolgreich war, das Ziel erreicht wurde und welche Strategien sich die Jugendlichen für die Zukunft und ihren Alltag merken möchten. Falls es zu keiner erfolgreichen Durchführung kam, kann beim Problemanalyseprozess flexibel nochmal eingestiegen werden, um die Analyse erneut durchzugehen. Beispielsweise kann auf dem LOGIN-Feld eine andere Lösungsmöglichkeit ausgewählt werden. Anschließend werden die weiteren Felder wie gehabt durchlaufen. Die Herangehensweise des Problemanalyseprozesses basiert auf dem transaktionalen Stressmodell nach Lazarus und ist modifiziert nach D´Zurilla und Goldfried (1971) sowie Beyer und Lohaus (2006). In dem von Beyer und Lohaus (2006) entwickelten Präventionskonzept „SNAKE” stellt ein ähnlicher Problemlöseprozess ebenso die zentrale Methode dar. Dieses Konzept ist wissenschaftlich evaluiert und die Wirksamkeit konnte nachgewiesen werden (Beyer & Lohaus, 2006). Durch das Erlernen und Einüben dieser strukturierten Herangehensweise an Stresssituationen und der Aktivierung von Ressourcen zählen diese Problemanalysekompetenzen zum instrumentellen und kognitiven Stressmanagement. 2. Kognitive Umstrukturierung Ein weiterer zentraler Inhalt von GeschwisterTEENS ist die kognitive Umstrukturierung durch Bewusstmachung und Änderung der subjektiven Bewertung von Anforderungssituationen. Die kognitive Umstrukturierung zielt auf eine positive Einstellungsänderung sowie auf hilfreiche Selbstinstruktion ab. Hierzu zählen Aspekte wie die Identifikation eigener Denkmuster (insbesondere in Anforderungssituationen) sowie das Hinterfragen von negativen Denkmustern, das bewusste Ersetzen der dysfunktionalen Denkmuster und die Erarbeitung funktionaler Kognitionen (z. B. positive Selbstinstruktionen). Dadurch entsteht langfristig eine emotionale Entlastung durch realistische, funktionale Denkmuster. Damit setzt dieser Aspekt beim kognitiven Stressmanagement an. 3. Transfer in den Alltag Das vermittelte Wissen und die geförderten Kompetenzen werden wiederkehrend für den Alltag der Jugendlichen reflektiert und übertragbar gemacht. So wird deren Bewältigungsrepertoire erweitert, damit sie in unterschiedlichen Stresssituationen flexibel handeln können. Beispielsweise werden mit Hilfe des Problemanalyseprozesses konkrete Handlungspläne und -strategien für individuelle Stresssituationen der Teilnehmenden erarbeitet und für deren Alltag nutzbar gemacht. Somit ist dies dem instrumentellen und kognitiven Stressmanagement zuzuordnen.
Methoden zur Umsetzung der Ziele und Inhalte: Grundsätze der Arbeit bei GeschwisterTEENS sind die Ressourcen- sowie Lösungsorientierung. Auf Grundlage des transaktionalen Stressmodells nach Lazarus und mit Hilfe des Problemanalyseprozesses werden die individuellen Stärken und Bewältigungsstrategien der Jugendlichen gezielt gefördert und hervorgehoben, sodass daraus eine Selbstwertstärkung resultiert und die Ressourcen als Stressbewältigungsstrategien nutzbar werden. GeschwisterTEENS setzt somit an der primären und sekundären Bewertung sowie an den Stressbewältigungskompetenzen an. Beim Angebot GeschwisterTEENS werden folgende Methoden verwendet: • Wissensvermittlung: unter anderem zu Stress, -bewältigung, -reaktionen, zur kognitiven Bewertung von Stresssituationen, zu Problemanalysemethoden, zur Wirkungsweise und Anwendung von Entspannungsverfahren (insbesondere der Achtsamkeitsmeditation) sowie zu formellen Unterstützungsmöglichkeiten • Kognitive und verhaltensbezogene Methoden: z. B. kognitive Umstrukturierung, Selbstinstruktion, Selbstbeobachtung, Entspannungstechniken, Problemanalyseprozess, Stärken-/ Ressourcenarbeit • Erlebnispädagogische sowie medienpädagogische Methoden: unter anderem zur Einübung und Anwendung des Problemanalyseprozesses, Förderung der sozial(kommunikativen) und emotionalen Kompetenzen, zur Reflektion und nachhaltigen Verankerung des Erlernten im Alltag der Jugendlichen (Lebensweltbezug der Methoden) Weiterhin werden ritualhafte Methoden eingesetzt, die insbesondere emotionsfokussiert arbeiten. Um den Transfer in den Alltag nachhaltig zu sichern, erhalten die Teilnehmenden Arbeitsmaterialien, Übungsblätter und Anwendungshinweise. Zudem werden die Jugendliche instruiert für sie hilfreiche Bewältigungsstrategien sowie ihre selbst- und fremdbeobachteten Ressourcen schriftlich zu fixieren. Sie erhalten Anregungen für die Nutzung, der auf diese Weise gesicherten Arbeitsergebnisse, für Stresssituationen im Alltag. Die vier Tage sind eingebettet in eine Rahmengeschichte, in der die Jugendlichen einen wichtigen Auf-trag erhalten: Sie müssen gestohlenes, für die Menschheit existenzielles Wissen zurückgewinnen. Dies kann ihnen nur gelingen, wenn sie vier Dieb:innen überlisten und deren Prüfungen gemeinsam bestehen.
Geschwister von Kindern mit chronischer Erkrankung und/oder Behinderung sind aufgrund ihrer besonderen Lebenssituation vielfältigen Belastungen ausgesetzt, die häufig zu Stressreaktionen, einer geringeren gesundheitsbezogenen Lebensqualität und weiteren psychischen Problematiken führen (Rana & Mishra, 2014; Vermaes, Van Susante & Van Bakel, 2012). Deshalb zielt GeschwisterTEENS auf die Förderung der Stressbewältigungskompetenzen der Jugendlichen ab und fördert deren Auseinandersetzung mit sowie deren Wahrnehmung von ihren Ressourcen. Anhand der vermittelten Inhalte werden die Geschwister befähigt, ressourcenorientiert und strukturiert mit ihren individuellen Belastungen dauerhaft eigenständig umzugehen sowie diese zu bewältigen. Die strukturierte Methode des Problemanalyseprozesses von GeschwisterTEENS basiert auf dem transaktionalen Stressmodell nach Lazarus. Es wird ein Verständnis für die Entstehung von Stress im Allgemeinen sowie in konkreten Lebenssituationen der Geschwister aufgebaut und deren Kenntnisstand diesbezüglich erweitert. Anschließend werden gezielt Stressbewältigungskompetenzen erlernt, angewandt, eingeübt und gefestigt, damit erweitern die Jugendlichen ihr verfügbares Bewältigungsrepertoire. Wesentliche Aspekte hierbei sind die persönlichen Ressourcen, die Aktivierung von sozialer Unterstützung (sowohl informell als auch formell) und der Transfer der Stressbewältigungskompetenzen in den Alltag der Jugendlichen. Zudem wird die Resilienz der Jugendlichen durch das Angebot gestärkt, wodurch sich ihre (psychische) Gesundheit langfristig erhält oder verbessert. Die Auseinandersetzung mit sozial-emotionalen Kompetenzen und der Stärkung der Problemlösefähigkeit verhilft den Geschwistern zu einer funktionalen Stressbewältigung. Typischen Belastungen und Stressoren werden gezielte Bewältigungsstrategien entgegengesetzt. So wird deren Kompetenz im Umgang mit Belastungen langfristig verbessert. Eine weitere wichtige Rolle bei GeschwisterTEENS spielt die Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstkonzept. Damit wird ein entscheidender Aspekt der Entwicklung im Jugendalter aufgegriffen. Außerdem wurde nachgewiesen, dass Geschwister dazu tendieren, sich weniger positive Attributionen zuzuschreiben und, dass sie über ein geringeres Selbstwertgefühl verfügen als Gleichaltrige (Vermaes et al., 2012). Das Angebot fördert die Entwicklung eines gesunden Selbstkonzepts, indem die Jugendlichen sich mit ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung beschäftigen, das Selbstwertgefühl gestärkt wird sowie sie sich mit den eigenen Werten und der Zukunft auseinandersetzen. Darüber hinaus üben die Jugendlichen eine Entspannungsmethode (Achtsamkeitsmeditation) ein und lernen sie als Bewältigungsstrategie in Stresssituationen kennen. Damit verfolgt GeschwisterTEENS das Ziel der Förderung der psychischen Gesundheit sowie der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, um späteren kostenintensiven Behandlungen psychischer Problematiken und Störungen bei dieser vulnerablen Zielgruppe (selektive Prävention) primärpräventiv entgegenzuwirken. Das Angebot ist mit seinen Inhalten dem instrumentellen, kognitiven sowie palliativ-regenerativen Stressmanagement zuzuordnen (Förderung der Stressbewältigungskompetenz).
Die Zielgruppe für den Kurs „GeschwisterTEENS“ sind gesunde Geschwister im Alter von 13 bis 17 Jahren von Menschen mit chronischer, schwerer Erkrankung und/oder Behinderung, die lernen wollen, mit den Stressbelastungen sicherer und gesundheitsbewusster umzugehen, um dadurch potenziell behandlungsbedürftige Stressfolgen zu vermeiden.