Kompaktangebot
Dieses Titelbild ist mit KI generiert. Es zeigt nicht die tatsächliche Kursleitung oder den tatsächlichen Kursort.

Der GeschwisterTREFF„Jetzt bin ICH mal dran!“–Förderung der Stressbewältigung und Resilienz (Kompaktkurs)

Der GeschwisterTREFF „Jetzt bin ICH mal dran!“ ist ein Gruppenangebot für alle Geschwister von Kindern mit Erkrankung oder Behinderung. Die Lebenssituation der Geschwister ist häufig von Herausforderungen geprägt. Sie sorgen sich beispielsweise um Bruder oder Schwester und erhalten oft weniger Aufmerksamkeit von den Eltern. Diese Herausforderungen können auch als Stressbelastungen bezeichnet werden. Im GeschwisterTREFF erlernen die Acht- bis Zwölfjährigen gezielt Stressbewältigungskompetenzen, die es ihnen erleichtern mit Schwierigkeiten des Alltags umzugehen. Das Angebot gibt den Geschwistern die Möglichkeit, sich mit anderen Geschwistern über ihre Situation auszutauschen. Spielerisch, kreativ und erlebnisreich – zum Beispiel mit Hilfe eines Gefühlsrads oder kniffligen Gruppenaufgaben werden Wege erlernt, mit Stress auf positive Weise umzugehen. Damit leistet der GeschwisterTREFF einen wertvollen Beitrag zu einem gesunden Entwicklungsverlauf.
8 x 135
Min.
700,00 €
87,50 €
pro Einheit
8 bis 12
Jahre
Auf Anfrage
Im GeschwisterTREFF werden den Teilnehmenden Fähigkeiten vermittelt, die ihnen als Stressbewältigungsstrategien dienen können. So zum Beispiel Entspannungskompetenz, emotionale Kompetenz, Problemlösekompetenz und die Aktivierung sozialer Unterstützung. Insbesondere wird an den kognitiven Bewertungsprozessen angesetzt (auf Grundlage des Stresskonzepts nach Lazarus). Zudem kann der Aufbau von Wissen bzgl. der Diagnose des Geschwisters die Bewältigung der Kinder unterstützen. Folgend wird aufgeschlüsselt dargestellt, welche Modalität der Stressbewältigung der GeschwisterTREFF mit welchem Inhalt anspricht. Hauptinhalte des GeschwisterTREFFs sind: 1. Psychoedukation Die Psychoedukation betrifft in erster Linie das Wissen und Verständnis bezüglich der Erkrankung und/oder Behinderung des Geschwisters. Die Geschwisterforschung zeigt, dass dieses Wissen für den Entwicklungsverlauf der Kinder von Bedeutung ist (Williams et al., 2002). Die spielerische Aufklärung geht über die bloße Wissensvermittlung hinaus. Vielmehr werden die Auswirkungen der Erkrankung/Behinderung des Geschwisters auf das Leben des gesunden Kindes thematisiert. Durch die Reflexion darüber können sowohl Schwierigkeiten als auch Bewältigungsansätze gemeinsam mit dem Kind herausgearbeitet werden, die ihm in seinem zukünftigen Leben als Hilfestellungen und Ressourcen dienen sollen. Zudem ist im Modul Psychoedukation Raum dafür, Themen offen anzusprechen, wie z.B. Ängste (z. B. „Kann ich mich anstecken?“) und Schuldgefühle („Bin ich Schuld an der Erkrankung?“). Durch das Aufzeigen von Gemeinsamkeiten bei der Situationsbewältigung fördert das Modul darüber hinaus die soziale Einbindung in die Gruppe. Durch Erlangung von Wissen und die Auseinandersetzung mit Stressoren und Stressbewältigungsstrategien wirkt sich der Inhalt Psychoedukation auf das instrumentelle und kognitive Stressmanagement der Kinder aus. 2. Emotionale Kompetenz Aufgrund des oftmals hohen Belastungsniveaus der Geschwisterkinder, sind emotionale Fertigkeiten als bedeutungsvolle Schutzfaktoren anzusehen. Im GeschwisterTREFF werden folgende Fertigkeiten vermittelt: • Wahrnehmen und Benennen der eigenen Emotionen • Annehmen der gesamten Bandbreite der Emotionen (z. B. ambivalente Gefühle) • Erkennen des Sinns verschiedener Emotionen in verschiedenen Lebenssituationen • Fähigkeit, Emotionen zu kodieren (zeigen) und zu dekodieren (bei anderen erkennen) • Fähigkeit zur Empathie (Perspektivübernahme) • Fähigkeit, die eigenen Emotionen adäquat zu regulieren • Erlernen neuer Strategien zur Emotionsregulation (z.B. Progressive Muskelrelaxation) Im Rahmen des Stresskonzepts nach Lazarus können Emotionen als Reaktionen auf äußere Anforderungen und innere Bewertungsprozesse gesehen werden. Die Emotionsregulation ist demnach ein wichtiger Baustein der Stressbewältigungskompetenz. Die Inhalte zur emotionalen Kompetenz des GeschwisterTREFFs sollen sowohl das instrumentelle, wie auch das kognitive und palliativ-regenerative Stressmanagement der Kinder fördern. 3. Selbst- und Fremdwahrnehmung Ziel ist es, dass ein gesundes Selbstkonzept der Kinder durch den GeschwisterTREFF unterstützt wird. Eine adäquate Selbst- und Fremdwahrnehmung ist ein wichtiger Bestandteil von zwischenmenschlichen Interaktionen, denn das Individuum setzt sich in Bezug zu seiner Umwelt. Im GeschwisterTREFF wird die Selbstwahrnehmung der Geschwister bezüglich ihrer Person und Lebenssituation geschult. Durch die Aufmerksamkeit für eigene Gefühle und den eigenen Körper können die Kinder im Umgang mit sich selbst und anderen sensibler werden. Insgesamt fördert die Arbeit an der Selbst- und Fremdwahrnehmung ein gesundes Selbstbild, ein klares Selbstkonzept und Toleranz der eigenen Person gegenüber. Durch die Förderung des Bewusstseins für die eigenen Ressourcen wird im Rahmen des Inhalts Selbst- und Fremdwahrnehmung direkt an den kognitiven Bewertungsprozessen angesetzt. Nimmt ein Kind seine Stärken wahr und kann sich mit positiven Selbstinstruktionen beruhigen, so kann dies als wichtiger Faktor in der Verarbeitung von Stress gesehen werden. Die Selbst- und Fremdwahrnehmung setzt somit am kognitiven Stressmanagement an. 4. Soziale Unterstützung Viele Studien belegen den positiven Einfluss sozialer Unterstützung auf Geschwister chronisch kranker Kinder, z. B durch verminderte Ängstlichkeit und Depression, größeres Selbstbewusstsein, stärkeres Eingebundensein in Familienaktivitäten, größeres Krankheitswissen, Stimmungsaufhellung, positivere Gefühle und Einstellungsverbesserung (Hartling et al., 2010). Besonders bereichernd ist die Möglichkeit, mit Gleichbetroffenen über die eigene Situation sprechen und in einem geschützten Rahmen schwierige Themen bearbeiten zu können (Nolbris, Abrahamsson, Hellström, Olofsson & Enskär, 2010). Der GeschwisterTREFF nutzt die Wirkung der sozialen Gruppe durch seine Ausrichtung als Gruppenintervention. Die Entwicklung und Förderung der sozialen Kompetenz und der sozialen Unterstützung kann dem instrumentellen sowie kognitiven Stressmanagement zugeordnet werden. 5. Problemlösekompetenz Im GeschwisterTREFF werden die Kinder durch Schulung ihrer Problemlöse- und sozialen Kompetenzen befähigt, mit schwierigen Situationen gut umzugehen. Schwerpunktmäßig werden angemessene Problemanalysefähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Strategien zur Konfliktschlichtung, Teamfähigkeit, Hilfsbereitschaft, Kreativität, Reflexionsfähigkeit, Urteilsfähigkeit sowie selbstständiges Suchen von Konflikt- und Problemlösungen gefördert. Zur Förderung dieser Kompetenzen eignen sich nachweislich erlebnispädagogische Methoden (Scheube, 2004). Die Förderung der Problemlösekompetenz hat Auswirkung darauf, wie die Kinder Stressoren bewerten. Durch die Erfolgserfahrungen, die sie in der Problemlösung im Rahmen des Kurses machen, werden sie sich ihrer Ressourcen zur Problemlösung bewusst und können diese aktiver nutzen. Die Problemlösekompetenz setzt somit direkt am kognitiven Stressmanagement an. 6. Elternintegration Die Integration der Eltern in den GeschwisterTREFF stellt ein zentrales Element dar. Ziel des Einbezugs der Eltern ist es, dass die Eltern die Ziele, Inhalte und Methoden des Kurses vermittelt bekommen. Sie erlernen mit ihren Kindern wie Stress entsteht, welche Stressreaktionen vorkommen und welche Strategien der Bewältigung eingesetzt werden können. Im spezifischen reflektieren die Eltern die persönlichen sowie familiären Stressoren sowie die Ressourcen zur Bewältigung bei sich und ihren Kindern. Die Eltern werden damit zu Multiplikatoren innerhalb der Familie und können die erlernten Strategien gemeinsam mit ihren Kindern im Alltag umsetzten. Damit wird der Transfer des gelernten in den Alltag gesichert. Zudem sollen die Eltern eine Vorbildfunktion einnehmen und die gelernten Stressbewältigungskompetenzen im Alltag dem Kind vorleben (Modelllernen). Durch die Integration der Eltern in den Kurs wird an allen drei Modalitäten der Stressbewältigung angesetzt. Wenn die Eltern für die Belange der Geschwister sensibilisiert werden und Impulse erhalten, ihren Blick speziell auf die Bedürfnisse des gesunden Kindes zu richten, so hat dies Wirkung auf die gesamte Entwicklung des Kindes. Im palliativ-regenerativen Stressmanagement wird den Eltern im Kurs eine Methode an die Hand gegeben, die sie mit ihrem Kind im Alltag zu Hause anwenden können.
Im Rahmen des GeschwisterTREFFs „Jetzt bin ICH mal dran!“ werden folgende Methoden verwendet: • Psychoedukation und Wissensvermittlung o zum Kennenlernen der Entstehung von Stress und Stressreaktionen, der Reflektion eigener Ressourcen und funktionaler sowie dysfunktionaler Bewältigungsstrategien o zum Kennenlernen der Erkrankungen/Behinderungen und deren Folgen • Kognitive und behaviorale Methoden, z.B. kognitive Umstrukturierung, Selbstbeobachtung, positive Selbstinstruktionen, Modelllernen, kognitive Problemlösung sowie Entspannungstechniken zum Aufbau von funktionalen Stressbewältigungsstrategien und zur Ressourcenaktivierung • Emotionsfokussierte Methoden, z.B. Fähigkeit Emotionen angemessen zu kodieren und dekodieren, Kennenlernen der Bandbreite an möglichen Emotionen sowie Umgang mit belastenden Emotionen und Emotionsregulation zum Erkennen der eigenen Stressreaktionen sowie zum Aufbau von Regulationsfertigkeiten und emotionsorientierten Copingstrategien • Erlebnispädagogische Methoden sowie Musik- und Kunstpädagogische Methoden, z.B. das Erlernte direkt erfahrbar machen und kreativ umsetzen  um den Transfer in den Alltag zu gewährleisten, um die Nachhaltigkeit der erzielten Effekte abzusichern, und problemorientierte Copingstrategien zu erproben Ein Fokus liegt auf dem Transfer in den Alltag, um die Nachhaltigkeit der erzielten Effekte abzusichern. Hierfür erhalten die Teilnehmenden konkrete Anleitungen und Arbeitsmaterialien für den Alltag. Grundsätze der Arbeit sind Ressourcen- sowie Lösungsorientierung. Auf Grundlage des transaktionalen Stressmodells von Lazarus werden die individuellen Stärken und Copingstrategien der Kinder und Jugendlichen gezielt gefördert und hervorgehoben, so dass daraus eine Selbstwertstärkung resultiert und die Stärken als Stressbewältigungsstrategien nutzbar werden. In jeder Stunde ist zudem das Ziel, den Kindern Erfahrung von Erfolgserlebnissen, Selbstbestimmung und sozialem Eingebunden sein zu ermöglichen, um nachhaltig deren Selbstwirksamkeitserleben zu fördern (in Anlehnung an die Theorie der Selbstbestimmung nach Deci und Ryan, 1985, 1993). Die eingesetzten Methoden wurden in der Praxis gut erprobt und in mehreren Evaluationsstudien auf ihre Wirksamkeit hin überprüft. Indikatoren für psychische Auffälligkeiten sowie geschwisterspezifische Stressreaktionen konnten damit signifikant gesenkt werden (Engelhardt-Lohrke et al., eingereicht).
Geschwister von kranken und/oder behinderten Kindern sind aufgrund Ihrer besonderen Lebenssituation vielfältigen Belastungen ausgesetzt, die oftmals zu Stressreaktionen und weiteren psychischen Problematiken führen. Der GeschwisterTREFF zielt darauf ab die Stressbewältigungskompetenzen der Geschwisterkinder zu fördern, indem er relevante Stressbewältigungs- und Lebenskompetenzen stärkt sowie die Möglichkeit bietet sich mit den Folgen der Erkrankung/Behinderung für das eigene Leben auseinanderzusetzten. Damit werden die Kinder befähigt mit den Belastungen und ihren individuellen Stressoren aufgrund der besonderen Lebenssituation dauerhaft eigenständig auf positive Weise umzugehen und diese zu bewältigen (Empowerment). Der GeschwisterTREFF basiert auf dem transaktionalen Stressmodell nach Lazarus. Es wird ein Verständnis für die Entstehung von Stress im Allgemeinen sowie in konkreten Lebenssituationen der Geschwister aufgebaut. Anschließend werden gezielt Stressbewältigungskompetenzen erlernt und trainiert. Dabei spielen die Aktivierung persönlicher Ressourcen sowie des sozialen Netzwerks eine erhebliche Rolle sowie der Transfer der erlernten Bewältigungskompetenzen in den Alltag. Eine besondere Rolle im GeschwisterTREFF nimmt zudem die Psychoedukation und Krankheitsaufklärung ein. Hier wird der Zusammenhang zwischen dem eigenen Stresserleben und der Erkrankung des Bruders bzw. der Schwester (besondere Lebenssituation) reflektiert. Die Auseinandersetzung mit sozial-emotionalen Kompetenz und der Stärkung der Problemlösefähigkeit verhilft den Kindern zu einer funktionalen Stressbewältigung. Typischen Belastungen und Stressoren werden gezielte Bewältigungsstrategien entgegen gesetzt. Zudem werden die Kinder und vor allem ihre Eltern dabei unterstützt, familieninterne Stressoren zu erkennen und zu verringern. Zusätzlich erlernen die Geschwister und ihre Eltern auf kindgerechte Weise das Entspannungsverfahren „Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson“ als eine wichtige Bewältigungsstrategie für belastende Situationen. Damit verfolgt der GeschwisterTREFF das Ziel der Förderung der psychischen Gesundheit sowie der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, um spätere kostenintensive Behandlungen psychischer Problematiken und Störungen bei dieser vulnerablen Zielgruppe (selektive Prävention) primärpräventiv entgegenzuwirken. Das Angebot ist mit seinen Inhalten dem instrumentellen, kognitiven sowie palliativ-regenerativen Stressmanagement zuzuordnen (Förderung der Stressbewältigungskompetenz).
Die Zielgruppe für den Kurs „GeschwisterTREFF – Jetzt bin ICH mal dran!“ sind gesunde Geschwister im Alter von 8 bis 12 Jahren von chronisch kranken, schwer kranken und/oder behinderten Kindern, die lernen wollen, mit den Stressbelastungen sicherer und gesundheitsbewusster umzugehen, um dadurch potenziell behandlungsbedürftige Stressfolgen zu vermeiden. In das Training einbezogen wird jeweils auch mindestens ein Elternteil der Geschwisterkinder.